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Bildungsräume

Bildungsräume strategisch denken

Viele Gemeinden in Vorarlberg arbeiten derzeit an Schulraumkonzepten, Studien oder Masterplänen für ihre Bildungseinrichtungen. Die Gemeinden Röthis, Lustenau und Dornbirn durften wir kürzlich dabei begleiten.

Dabei zeigt sich immer deutlicher: Zukunftsfähige Bildungsinfrastruktur ist kein reines Bau- oder Flächenthema. Sie ist eine der komplexesten kommunalen Zukunftsaufgaben – weil sie gleichzeitig pädagogische, gesellschaftliche, demografische und bauliche Fragen berührt, die sich gegenseitig bedingen.

Gemeinden stehen dabei vor einem dichten Bündel struktureller Herausforderungen:
_ Veränderte Kinderzahlen und demografische Dynamiken
_ Neue Lern- und Unterrichtsformen, die andere Räume brauchen
_ Wachsende Anforderungen durch Ganztag, Integration und Inklusion
_ Hoher Anpassungsbedarf im Bestand
_ Gleichzeitig knappe finanzielle Spielräume


Einzelmaßnahmen oder rein bauliche Antworten greifen hier zu kurz. Gefragt sind strategische Grundlagen, die Orientierung geben, Prioritäten klären – und dabei offen bleiben für eine ungewisse Zukunft.

Unser Zugang: Raum als soziale Praxis


Wir verstehen Bildungsräume nicht als neutrale Behälter, in denen Lernen stattfindet. Räume entstehen durch das, was Menschen darin tun: durch Praktiken, Beziehungen, Routinen und Bedeutungen – und sie verändern sich, wenn sich diese verändern. Ein Schulgebäude mit offenen Lernlandschaften, das aber durch hierarchisch-frontale Unterrichtspraktiken bespielt wird, ist kein offener Lernraum. Umgekehrt kann ein schlichter Bestandsbau durch veränderte pädagogische Praxis und neue soziale Routinen zum lebendigen Bildungsraum werden. Nicht nur die physisch-materiellen Gegebenheiten (die Bestandsgebäude, die Klassen, die Möbel etc.), sondern auch die Rahmenbedingungen (Sprengelgrenzen, Orientierungsgrößen für Gruppen oder Schüler:innen pro Klasse, Finanzierungslogiken etc.) sowie die konkreten Praktiken sind zusammenzudenken.

Ein zentraler Ausgangspunkt unserer Arbeit ist daher der systematische Einbezug pädagogischer und gesellschaftlicher Entwicklungen: Wie verändern sich Lernformen? Welche Anforderungen entstehen durch Ganztag, Sprachförderung oder multiprofessionelle Teams? Welche Rolle spielt die Schule als sozialer Ort im Quartier? usw.

Bild 1: Nicola Hilti und Eva Lingg-Grabher mit einer Schulklasse der Oberstufe Gais-Bühler 2017
(c) IFSAR

Bild 2: Eva Lingg-Grabher und Josef Piroddi im vai Kindersommer im Stadtgarten Dornbirn 2024
(c) vai; Darko Todorovic

Bild 3: Schulklasse in Röthis, 2025

Beteiligung: mehr als Informationsgewinn


Partizipation ist in unserer Arbeit kein methodisches Add-on. Sie ist ein konstitutiver Bestandteil jedes Stretegie- oder Planungsprozesses. Denn die Menschen, die täglich in diesen Räumen arbeiten, lehren und lernen, sind keine passiven Nutzer:innen vorgegebener Räume. Sie sind diejenigen, die durch ihre Praktiken, Wahrnehmungen und Bedeutungszuschreibungen aus einem Gebäude erst einen Bildungsraum machen. Beteiligung heißt für uns deshalb: gemeinsam verstehen, was aus dem Ort einen guten Bildungsraum macht – und was dafür verändert werden müsste.

Wir führen Gespräche mit Schulleitungen, Pädagog:innen, Verwaltung und – wo sinnvoll – mit weiteren Akteur:innen vor Ort. Die Formate werden je nach Projektaufgabe und Detailierungsgrad angepasst: vom breiten Workshop mit Schüler:innen und Elternvertretungen bis zur fokussierten Arbeitsgruppe aus Verwaltung und politischen Akteur:innen.

Ziel ist ein gemeinsames Verständnis der Ausgangslage und der Entwicklungsmöglichkeiten – eines, das nicht nur planerisch schlüssig ist, sondern im Alltag trägt und von den Beteiligten langfristig mitgetragen wird.

Von der Analyse zur umsetzbaren Strategie


Unsere Studien verbinden qualitative und quantitative Zugänge:

_ Demografische Analysen und Prognosen bilden die Grundlage für die zukünftige Entwicklung von Kinderzahlen und Raumbedarfen.
_ Bestandsanalysen machen Potenziale, Engpässe und Entwicklungsmöglichkeiten der einzelnen Standorte sichtbar – nicht nur baulich, sondern auch im Hinblick auf ihre pädagogische und sozialräumliche Einbettung.
_ Rahmenbedingungen aus Pädagogik, Betreuung, Organisation und Recht werden systematisch einbezogen, damit Konzepte nicht an der Realität scheitern.

Auf dieser Basis erarbeiten wir planerische Grundlagen für z.B. die Priorisierung von Investitionen, den Umbau und die Weiterentwicklung bestehender Standorte, die langfristige strategische Steuerung der Bildungsinfrastruktur auf kommunaler Ebene.

Ziel ist es, Entscheidungsgrundlagen zu schaffen, die auch angesichts gewisser Unsicherheiten (Entwicklung Geburtenjahrgänge, Zuzug, neuer pädagogische Konzepte etc.) tragfähig bleiben und die flexibel auf Veränderungen reagieren können.

Schulraumstudien als strategisches Instrument kommunaler Entwicklung


... können helfen,

_ zukunftsfähige und abgestimmte Entscheidungen zu treffen – auf Basis eines gemeinsam erarbeiteten Bildes der Situation sowie für die Zukunft,
_ vorhandene Ressourcen effizient und gezielt einzusetzen und
_ Bildungsräume so weiterzuentwickeln, dass sie den Anforderungen von heute gerecht werden – und für die Anforderungen von morgen offen bleiben.

Beitrag von Eva Lingg-Grabher
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