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Wohnen & Gemeinschaft

Aktuell erfahren gemeinschaftliche Wohnprojekte im deutschsprachigen Raum verstärkte Aufmerksamkeit - zum einen in der Thematisierung, zum anderen in der Umsetzung.

Die Gründe sind vielfältig:

_ Zunächst gibt es ökonomische Gründe: Gemeinsames Planen, Bauen und Wohnen spart Kosten, etwa durch geteilte Infrastruktur oder gemeinsam genutzte Flächen – ein Argument, das angesichts steigender Grundstückspreise und angespannter Wohnungsmärkte von zentraler Bedeutung ist.

_ Weiters liegen ökologische Gründe auf der Hand: weniger Flächenverbrauch pro Kopf, geteilte Ressourcen, ein bewusster Lebensstil als Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft – manche Projekte verankern das sogar in eigenen Regeln, indem sie Belegungsvorschriften erlassen oder sich als autofrei definieren.

_ Und schließlich sind soziale und biografische Gründe wesentlich dafür, dass Menschen sich gemeinschaftliches Wohnen wünschen. Unsere Gesellschaft ist individualisierter, mobiler und vielfältiger geworden. Biografien verlaufen brüchiger: Ehen und Partnerschaften gehen häufiger auseinander, Arbeitsplätze werden häufiger gewechselt, neben klassischen Familienmodellen gibt es viele andere Formen des Zusammenlebens. Einpersonenhaushalte sind vielerorts heute die häufigste Haushaltsform. Gleichzeitig gehen Orte kollektiven Austauschs zunehmend verloren.


Folglich entsteht bei vielen Menschen eine wachsende Sehnsucht nach Verbundenheit, Solidarität und gegenseitiger Unterstützung, auch im Wohnen.

Wichtig ist dabei: Wer gemeinschaftlich wohnen möchte, sucht keinen Ersatz für das Private, sondern eine Ergänzung. Beides ist wichtig: Gemeinschaft und Privatsphäre – und es lässt sich in vielen gemeinschaftlichen Wohnprojekten sehr gut vereinen.

Die Bedeutung und Ausgestaltung von Gemeinschaft im Wohnen ist vielfältig, denn sie hängt ab von Lebensphase, Alter, Schichtzugehörigkeit und biografisch geprägten Vorlieben – und verändert sich im Lebensverlauf.

Damit werden besonders jene gemeinschaftlich orientierten Wohnräume attraktiv, die diese Dynamik aufnehmen und sich – passend zur wechselvollen Bedeutung von Gemeinschaft im Lebensverlauf – mitwandeln können.

Zugleich gilt es, vereinfachende, romantisierende oder idealisierende Vorstellungen von gemeinschaftlichem Wohnen zu hinterfragen, denn sie können lokale Gemeinschaften überfordern. Vielmehr ist das Gemeinschaftliche im Wohnen immer wieder aufs Neue auszuhandeln und herzustellen.

Dies bedeutet auch, dass Gemeinschaften im Wohnen nicht gebaut werden können. Oder anders gesagt: Architektur allein schafft keine Gemeinschaft, aber sie kann Möglichkeitsräume eröffnen: Erschließungen, die zum Verweilen einladen, Gemeinschaftsflächen, die sich aneignen lassen, Grundrisse, die Rückzug ermöglichen etc.

Dies sind einige der Erkenntnisse aus unserer langjährigen Forschung zum Wandel des Wohnens und zu (neuen) gemeinschaftlichen Wohnformen. Diese Erkenntnisse versuchen wir in die Praxis des Wohnungsbaus einzubringen. Das heißt auch, dass wir konsequent planerische und sozialwissenschaftliche Expertisen zusammenbringen.

Einige Fragen, die uns in Zusammenhang mit «Wohnen und Gemeinschaft» begleiten, sind:

_ Welche Rahmenbedingungen brauchen langfristig gelingende gemeinschaftliche Wohnprojekte in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht?

_ Wie können diese Rahmenbedingungen am besten hergestellt werden, dies unter Berücksichtigung projekt- und ortsspezifischer Besonderheiten?

_ Wie gelingt es, ein realistisches Bild eines gemeinsamen respektive gemeinschaftlichen Planens, Bauens und Wohnens zu entwickeln und umzusetzen?

Gemeinschaft im Planen, Bauen und Wohnen

Beitrag "Gemeinschaft im Planen, Bauen und Wohnen" von Nicola und Eva in der Publikation Architektur in Vorarlberg - Porträt einer regionalen Baukultur, erschienen im Detail Verlag.

Gemeinschaftlich ausbauen und wohnen – neue Wohnkonzepte in der Schweiz

Im angewandten Forschungsprojekt der OST Ostschweizer Fachhochschule wurden unter der Leitung von Nicola Hilti drei Wohnkonzepte untersucht, die derzeit in der Schweiz als besonders innovativ gelten können: das «Hallenwohnen», das «Selbstausbauloft» sowie die «Rohbaueinheiten zur Wohn- und Ateliernutzung».

WIR am Lehenweg

Mit dem Wohnprojekt WIR am Lehenweg in Bregenz entsteht ein gemeinschaftlich organisiertes Wohnhaus der Bürgergenossenschaft GBW-Gemeinsam Bauen und Wohnen in Vorarlberg. Geplant sind Wohnungen unterschiedlicher Größe, zahlreiche gemeinsame Innen- und Außenräume sowie vielfältige Möglichkeiten, das Zusammenleben aktiv mitzugestalten.

Bild eines Hauses

Projekt Antonius und Fatima in Bludenz

Im Rahmen eines Forschungsprojekts, gefördert durch den Klima- und Energiefonds, widmen wir uns der Modernisierung der Südtiroler Siedlung in Bludenz - nachhaltig und weiterhin leistbar. Johannes und Eva sind Teil des Projektteams rund um Frau Sturn. Wir waren zuständig für die Sozialräumlichen Analysen und die Entwicklung von Maßnahmen für die Nachbarschaft und das Zusammenleben, die Infrastruktur und die zukünftigen Wohnformen in der Siedlung.

Beitrag von Nicola Hilti
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